La Résilience, oder: Wie Kinder so viel mehrkönnen, als wir es jemals dachten

Quand nous fermons les yeux, nous découvrons parfois notre plus grande force.

Im Rahmen eines Projekts des Institut Français erhielten unsere Schülerinnen und Schüler einenm spannenden Impuls: sie sollten ein mehrsprachiges Kamishibai gestalten zum Thema „Wenn ich meine Augen schließe …“. Was zunächst wie eine einfache Frage klang, entwickelte sich zu einer beeindruckenden Reise voller Kreativität, Nachdenklichkeit und persönlichem Wachstum.

Zunächst sammelten die Kinder mit verschiedenen Brainstorming-Techniken zahlreiche Ideen dazu, wann Menschen ihre Augen schließen. Die Ergebnisse waren vielfältig und wurden anschließend gemeinsam geordnet und geclustert. Dabei kristallisierten sich drei große Themen heraus:

  • Angst und Schmerz
  • Kraft sammeln und Durchhalten
  • Genuss und Glück

Petit à petit, une idée est née : la résilience.

Gemeinsam stellten die Schülerinnen und Schüler fest, dass all diese Bereiche etwas Verbindendes haben: die Fähigkeit, schwierige Situationen zu bewältigen und daran zu wachsen. Das Thema Resilienz war gefunden.


Viele Kinder erkannten dabei auch eigene Erfahrungen wieder. Sie sprachen darüber, dass sie bereits Herausforderungen gemeistert haben und dass sie oft mehr können, als sie sich selbst zutrauen. Auch ihre Mehrsprachigkeit wurde Teil dieser Überlegungen. Mehrsprachig aufzuwachsen bringt viele soziale und kognitive Vorteile mit sich – gleichzeitig bedeutet es
manchmal auch zusätzliche Anstrengung. Die Kinder erkannten: Gerade diese Herausforderungen machen sie stark.

Être courageux ne signifie pas ne jamais avoir peur. Cela signifie avancer malgré la peur.

Anschließend organisierten sich die Schülerinnen und Schüler nahezu vollständig selbstständig.
Sie teilten sich in vier Gruppen auf:

  • die Profis
  • die Kreativen Köpfe
  • die Talentierten
  • die Produzenten

Innerhalb der Gruppen wurden Rollen verteilt, Verantwortungen übernommen und Aufgaben ernst genommen. Es wurde geplant, gestaltet, besprochen, bearbeitet, entfaltet, entwirrt, kollaboriert und kooperiert.

Als Lehrerin war ich dabei schlichtweg sprachlos. So viel Eigenständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und gegenseitige Unterstützung habe ich selten erlebt. Kaum Hilfe durch mich oder durch Frau Swiderski als Fremdsprachenassistentin war notwendig. Die Kinder arbeiteten konzentriert, respektvoll und mit bemerkenswerter Ausdauer.

Quel travail magnifique ! Quelle coopération extraordinaire !

Entstanden ist schließlich eine Geschichte von Kindern für Kinder – erzählt in 11 Sprachen. Im Mittelpunkt stehen ein Bruder und eine Schwester, die einen Tsunami erleben. Sie verlieren sich aus den Augen, werden verletzt und müssen große Ängste überwinden. Doch sie geben niemals auf. Trotz aller Schwierigkeiten halten sie durch, suchen weiter nach einander und
schaffen es am Ende tatsächlich, sich wiederzufinden.

Die einzige wirkliche Unterstützung von außen bestand in der Hilfe von Frau Swiderski bei der französischen Aussprache und bei den technischen Aufnahmen sowie in der Unterstützung von mir beim Filmschnitt.

Le processus était plus important que le résultat.

Und genau darin liegt vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieses Projekts. Das fertige Video entsprach am Ende nicht den Wettbewerbsvorgaben: Statt der erlaubten fünf Minuten war es fast zehn Minuten lang. Die Klasse diskutierte darüber gemeinsam und traf schließlich einstimmig eine bemerkenswert reife Entscheidung: Der Film sollte in seiner ursprünglichen Form bleiben, auch wenn dies bedeutete, sich nicht für den Wettbewerb qualifizieren zu können.

Eine Entscheidung, die Mut, Überzeugung und Zusammenhalt zeigte.

Und obwohl das Projekt dadurch nicht am Wettbewerb teilnehmen konnte, wurden die Schülerinnen und Schüler dennoch ausgezeichnet. Die Veranstalter waren so begeistert von dem außergewöhnlichen Arbeitsprozess, der Eigenständigkeit der Kinder und der besonderen Zusammenarbeit, dass die Klasse ein Lob sowie Zertifikate erhielt.

Bravo à tous !

Den feierlichen Abschluss bildete die Vernissage im Frühjahr 2026. Zahlreiche Eltern, Großeltern, Geschwister, Lehrkräfte und sogar die Schulleitung kamen zusammen, um die Ergebnisse zu würdigen.

Bei Snacks, Getränken und einem kleinen Imbiss entstanden viele Gespräche mit den jungen Gestalterinnen und Gestaltern. Besonders beeindruckt waren die Gäste jedoch nicht nur vom Film selbst, sondern vor allem von dem Weg dorthin.

Denn auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht perfekt war, war der Prozess etwas ganz Besonderes.

Als Lehrerin bin ich noch immer tief beeindruckt von der Freundlichkeit, dem Mut, der Kooperationsbereitschaft und der Selbstständigkeit dieser Kinder. Sie haben einander zugehört, Verantwortung übernommen, Konflikte gelöst, Ideen weiterentwickelt und gemeinsam etwas geschaffen, das weit über einen Film hinausgeht.

La résilience, ce n’est pas seulement un thème. Les enfants l’ont vécue.

Und genau deshalb wird dieses Projekt allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben.


von: Dara McClure, Fachlehrerin Kunst/Französisch

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