Mehrarbeit und Meer-Arbeit – 5 Tage französisches Schulleben

Seit 2021 arbeitet unsere Schule mit der Collège la Marquisanne in Toulon (Côte d’Azur) zusammen, und alle vier bisherigen Austausche in Drittortbegegnung verliefen lern- und erlebnisreich. Schon im Jahr 2024 hatten unsere französischen Kollegen großes Interesse an einer engeren Zusammenarbeit gezeigt. Eine Delegation von fünf Schul- und Schulleitungsmitglieder kamen zusammen mit unserem Partner Clever e.V. im Januar 2025 nach Leipzig, um die Unterrichtspraxis und unsere Schulkultur hautnah zu erleben. Der nächste Schritt lag nah – was können wir als Schule von ihnen lernen?

Unsere Erwartungen waren hoch, und sie wurden in keiner Weise enttäuscht. Die Fragen waren tiefgründig, aber die Antworten bewegten uns noch tiefer als wir je gedacht hätten.
Was wäre..?
… mit der Lernmotivation, wenn Schule bis 17 Uhr ging, dafür aber zwei Stunden Mittagspause wäre?
… mit der Selbstorganisation, wenn wir keine Lehrbücher und kaum Ordner hätten, dafür aber eigens erstellten Arbeitshefte?
… mit den Prüfungsergebnissen, wenn die Lehrkräfte nach Kompetenzen statt nach Inhalten unterrichten würden?
… mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, wenn Inklusion räumlich so funktioniert, dass es sowohl gezielte personelle und medizinische Unterstützung als auch die Einbindung in allgemeinen Lerngruppen gäbe?
… mit der psychosozialen Gesundheit, wenn ein etabliertes Konzept von einem permanenten multiprofesionellen Team vor Ort ständig ausgewertet und aufgebessert wird?
… wenn wir jedem Kind und jedem Jugendlichen die gleichen Bedingungen für Leistungserbringen ermöglichen?

Da viele Schülerinnen und Schüler der Marquisanne aus besonders komplexen Verhältnisse stammen, bekommt die Schule viele strukturelle Unterstützung, um experimentelle Unterrichtspraxis umzusetzen und die Schülerschaft vorbildlich zu fördern. Internationale Austausche sind gang und gebe, Methoden werden ständig ausgewertet und aufgebessert, Inklusion findet auf vielfältige Ebenen und mit herausragenden Ergebnissen statt.

Die Schule wird sehr oft von Bildungsexperten besucht, um die
Unterrichtsqualität zu beobachten und Rückschlüsse für diese und andere Schulen zu ziehen. Daher gab es, zusätzlich zu den ohnehin großen Unterschieden zwischen dem Deutschen und französischen Schulalltag, sehr viele Besonderheiten zu beobachten.

Frau McClure und Frau Bartl-Pawandenat sind fünf Tage lang in diesen ganz besonderen französischen Alltag eingetaucht und kamen (zwar sehr ermüdet, aber dafür hochmotiviert) mit reichhaltigen Erkenntnissen zurück nach Leipzig. Besonders inspiriert war Frau McClure vom Matheunterricht in jeder Klassenstufe, wo Jugendliche Lösungsvorschläge freudig zwischengerufen haben, ohne jegliche Sorge einer falschen Antwort. Frau Bartl-Pawandenat kam mit o enem Mund aus dem kombinierten Geschichts- und Geografieunterricht, der Methoden für langlebiges Lernen ermittelt hatte, ganz ohne
verwirrte Gesichtsausdrücke.

Die Frage, ob die 14-Stunden Zugfahrten (plus „Bonuszeit“ bei Verspätungen) in jeder Richtung sich gelohnt hatten, stellte sich gar nicht. Schließlich hatten sich die beiden die entspannte mediterrane Attitude angewöhnt, und gönnten sich während der Fahrt eine lange hilfreiche Pause zwischen Berichterstattungen und Unterrichts-vorbereitung.

Vielen Dank an das Team der Marquisanne für den wunderbaren und schoenen Empfang, sowie an die Schulleitung der Caroline-Neuber-Schule für das Ermöglichen.
Danke auch an Frau Gold vom Landesamt für Schule und Bildung, für die Betreuung der Planung und die Förderung durch Erasmus+ Gelder.

Bilder & Text: MCC

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